Johannes Brahms: Zigeunerlieder
Op. 103, Nr. 1
He, Zigeuner, greife in die Saiten
He, Zigeuner, greife in die Saiten ein,
spiel das Lied vom ungetreuen Mägdelein!
Laß die Saiten weinen, klagen, traurig bange,
bis die heiße Träne netzet diese Wange!
Op. 103, Nr. 2
Hochgetürmte Rimaflut, wie bist du so trüb,
an dem Ufer klag ich laut nach dir, mein Lieb!
Wellen fliehen, Wellen strömen, rauschen an den Strand heran zu mir;
an dem Rimaufer laß mich ewig weinen nach ihr!
Op. 103, Nr. 3
Wißt ihr, wann mein Kindchen am allerschönsten ist?
Wenn ihr süßes Mündchen scherzt und lacht und küßt.
Schätzelein, du bist mein, inniglich küß ich dich,
dich erschuf der liebe Himmel einzig nur für mich!
Wißt ihr, wann mein Liebster am besten mir gefällt?
Wenn in seinen Armen er mich umschlungen hält.
Op. 103, Nr. 4
Lieber Gott, du weißt, wie oft bereut ich hab,
daß ich meinem Liebsten einst ein Küßchen gab.
Lieber Gott, du weißt, wie oft in stiller Nacht
ich in Lust und Leid an meinen Schatz gedacht.
Herz gebot, daß ich ihn küssen muß,
denk so lang ich leb an diesen ersten Kuß.
Lieb ist süß, wenn bitter auch die Reu,
armes Herze bleibt ihm ewig, ewig treu.
Op. 103, Nr. 5
Brauner Bursche führt zum Tanze sein blauäugig schönes Kind,
schlägt die Sporen keck zusammen, Czardas Melodie beginnt.
Küßt und herzt sein süßes Täubchen, dreht sie, führt sie, jauchzt und springt! Wirft drei blanke Silbergulden auf das Cimbal, daß es klingt.
Op. 103, Nr. 6
Röslein dreie in der Reihe blüh’n so rot,
daß der Bursch zum Mädel geht ist kein Verbot!
Lieber Gott, wenn das verboten wär,
ständ die schöne weite Welt schon längst nicht mehr,
ledig bleiben Sünde wär!
Schönstes Städtchen in Alföld ist Kerschkemet,
dort gibt es gar viele Mädchen schmuck und nett!
Freunde, sucht euch dort ein Bräutchen aus,
freit um ihre Hand und gründet euer Haus,
Freudenbecher leeret aus!
Op. 103, Nr. 7
Kommt dir manchmal in den Sinn, mein süßes Lieb,
was du einst mit heil’gem Eide mir gelobt?
Täusch mich nicht, verlaß mich nicht,
du weißt nicht, wie lieb ich dich hab;
lieb du mich, wie ich dich,
dann strömt Gottes Huld auf dich herab.
Op. 103, Nr. 8
Horch, der Wind klagt in den Zweigen traurig sacht;
süßes Lieb, wir müssen scheiden: gute Nacht.
Doch die Trennungsstunde naht, Gott schütze dich!
Dunkel ist die Nacht, kein Sternlein spendet Licht;
süßes Lieb, vertrau auf Gott und weine nicht.
Bleiben ewig wir vereint in Liebesglück, in Liebesglück.
Op. 103, Nr. 9
Weit und breit schaut niemand mich an,
und wenn sie mich hassen, was liegt mir dran?
Nur mein Schatz, der soll mich lieben, soll mich lieben allezeit,
soll mich küssen, umarmen und herzen in Ewigkeit.
Kein Stern blickt in finsterer Nacht;
keine Blum mir strahlt in duftiger Pracht.
Deine Augen, deine Augen sind mir Blumen, Sternenschein,
die mir leuchten so freundlich, die blühen nur mir allein.
Op. 103, Nr. 10
Mond verhüllt sein Angesicht,
süßes Lieb, ich zürne dir nicht.
Wollt ich zürnend dich betrüben,
sprich, wie könnt ich dich dann lieben?
Heiß für dich mein Herz entbrennt,
keine Zunge dir’s bekennt.
Bald in Liebesrausch unsinnig,
bald wie Täubchen sanft und innig.
Op. 103, Nr. 11
Rote Abendwolken zieh’n am Firmament,
sehnsuchtsvoll nach dir, mein Lieb, das Herze brennt.
Himmel strahlt in glüh'‘der Pracht,
und ich träum bei Tag und Nacht nur allein
von dem süßen Liebchen mein.
|